Naturheilkunde
Im antiken, hippokratischen Verständnis wurde die Natur als Lebenskraft und als
Heilkraft aufgefasst. Die Gesundung des Patienten wurde durch die Natur
bewirkt, der Arzt war nur Behandler: Medicus curat, natura sanat.
Der Begriff Naturheilkunde bezeichnet ein Spektrum verschiedener Methoden,
die die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung aktivieren sollen und die sich
bevorzugt in der Natur vorkommender Mittel oder Reize bedienen. Dazu gehören
(nach einer Definition von Brauchle 1952) die Sonne, das Licht, die Luft, die
Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung,
die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge. In einem weiter gefassten
Verständnis werden auch "natürliche" Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und
deren Zubereitungen einbezogen.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Naturheilkunde von der damaligen
wissenschaftlichen Medizin nicht zu trennen. Natürliche Heilweisen waren
Grundbestand ärztlicher Erfahrung und Grundgerüst jeder Therapie. Hierauf zog
man sich auch zurück, wenn andere Theorien oder therapeutische Konzepte (z.B.
aus der sogenannten Heroischen Medizin) versagten. Parallel zur Entwicklung der
naturwissenschaftlich begründeten Medizin entstanden sowohl aus dem
praktischen Ärztestand als auch aus der Laienmedizin zahlreiche Versuche zum
Erhalt der Naturheilkunde
Zur "klassischen" Naturheilkunde zählen im Allgemeinen die folgenden
Naturheilverfahren:
- Hydrotherapie und Balneotherapie (Wasseranwendungen)
- Bewegungstherapie
- Diätetik (Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde Kost und eine dem Krankheitsbild angepasste Diät)
- Ordnungstherapie (ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und im Einklang mit der Natur)
- Phytotherapie (Einsatz von Pflanzenwirkstoffen)
Fälschlicherweise werden oft auch folgende Methoden zur Naturheilkunde
gezählt:
- Homöopathie
- Traditionelle Chinesische Medizin
- Ayurvedische Medizin
- Anthroposophische Medizin
Grundsätzlich ist zwischen der ärztlichen Anwendung und der Selbstbehandlung
zu unterscheiden. Vor allem in der niedergelassenen Ärzteschaft und in der
Rehabilitationsmedizin sind naturheilkundliche Verfahren durchaus verbreitet. In
Deutschland sind rund 14.000 Ärzte in ärztlichen Fachgesellschaften für
Naturheilverfahren organisiert. Zum Vergleich sind es 28.000 bei der
Akupunktur, 6.000 in der Homöopathie und mehr als 5.000 in sonstigen
Verfahren der Alternativmedizin. Naturheilverfahren sind beliebt; 73 Prozent der
Bevölkerung (Studie Allensbach 2005) wünschen, damit behandelt zu werden..